Lipödem-Syndrom

Das Lipödem bezeichnet eine krankhafte Veränderung in der Funktion des Unterhautfettgewebes, das fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Eine genetische Disposition wird angenommen, wobei in jedem Fall das Wirken von zusätzlichen externen Faktoren vorliegen muss. Schon in der Pubertät kann die meist symmetrische Zunahme von unverhältnismäßigem Fett an den Ober- und Unterschenkeln aber auch an den Armen bei sonst schmalerem Körperstamm beginnen. Typisch sind im weiteren Verlauf die Ausbildung einer sensorischen Symptomatik wie Schweregefühl, Spannungs- und Berührungsschmerzen mit Zunahme der Beschwerden besonders in der zweiten Tageshälfte sowie die ausgeprägte Neigung zu Spontanhämatomen (blaue Flecken) und eine inkonstante Progredienz, also das Fortschreiten der Erkrankung. Durch die Möglichkeit der variablen Zunahme sowohl des Fettgewebes als auch des subjektiven Beschwerdekomplexes und durch die Fehlinterpretation als Leibesfülle, kommt es nicht selten auch zu psychischen Belastungssituationen bis hin zu Depressionen mit einer weitreichenden Beeinträchtigung der biopsychosozialen Gesundheit. Klinisch kann das Lipödem aufgrund der Morphologie und des Palpationsbefundes in drei Stadien eingeteilt werden.

Oft ist es auch aufgrund mechanischer und statischer Probleme durch das Gewebeplus notwendig, künstliche Knie- und/oder Hüftgelenke zu implantieren. Eine frühe Erkennung der Ödemkrankheit Lipödem und eine profunde, individualisierte Therapie können helfen, solchen Ausmaßen – bei guter Compliance „Behandlungstreue“ der Patientinnen – erfolgreich entgegenzuwirken. Zu den konservativen Therapiesäulen gehören die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), die Kompressionsbestrumpfung und die Auto-Lymphdrainage. Auch bei konsequenter Anwendung aller konservativen Maßnahmen lässt diese Behandlung letztendlich keine Heilung zu. Schmerzen können dennoch gelindert und das Fortschreiten in gewissem Maß verzögert werden. Man konserviert aber letztendlich lediglich den durch die intensive Therapie „optimierten Istzustand“.

Beim manifesten Lipödem kann es jedoch für eine effiziente Therapie sinnvoll sein, dass veränderte Unterhautfettgewebe chirurgisch zu entfernen. Die chirurgische Technik ist die Liposuktion, wobei das Vorgehen individuell mit dem Patienten besprochen werden muss. Heute ist dieser Eingriff eine leitlinienkonforme Therapiealternative, die ab einem gewissem Ausprägungsgrad und nach Ausschöpfung aller konservativer Therapieoptionen, als „heilende“ Maßnahme nachhaltigen Erfolg versprechen kann.

Morphologische Stadieneinteilung des Lipödems

Stadium 1: Feinknotige Hautoberfläche, umgangssprachlich „Orangenhaut“

Stadium 3: Große, deformierende Gewebeüberhänge und -wülste